Editorial

Warum noch eine Literaturzeitschrift? Beatrice Stoll, die mit dem Literaturhaus in Zürich lange Jahre eine Drehscheibe des Literaturbetriebs geleitet hat, beklagte in ihrem Abschiedsinterview in der NZZ vom 23.02.2013, dass das Literaturhaus nicht zu einem «Treffpunkt von Autoren geworden wäre, wo sie sich hätten austauschen können.» Schaffen wir also diesen Ort – auch wenn er vor- erst nur auf Papier besteht. Wider den behäbigen Geist der Limmatstadt! Lassen wir die Diskussion hochleben. Die Diskussion zwischen allen, die mit Literatur zu tun haben. Produktivität braucht die Auseinandersetzung, was die vielbeschworene Kreativität des Hotspots Berlin zeigt, wo sich die Kunst allenthalben trifft.

Es ist Zeit für einen neuen Ort – in Berlin wird dis- kutiert, aber immer entlang der gleichen Bahnen eines kreativen Mythos. Arm, aber sexy. Nostalgische Bohème. Selbstgefällige Nabelschau des Zentrums. Schreiben wir vom Rand her! Aber nicht aus der gleichgültigen Distanz, sodass aus 20 Metern wissenschaftlicher Zurückhaltung Äpfel nicht mehr von Birnen unterschieden werden kön- nen. Wider die Koketterie der Unentscheidbarkeit! Wider die schulterzuckende Floskel «Geschmackssache»!

Was gute Kunst ist, scheint selbstverständlich. Aber gute Kunst ist nicht selbstverständlich. Stellen wir also die Frage – frisch und verwegen mit dem Mut zum Urteil und dem Mut zum Widerruf. Was ist gute Literatur und was macht sie aus? Denn noch einmal: Produktivität – wenn sie vorführen und nicht nachplappern soll – braucht die Auseinandersetzung!

Fabian Schwitter

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