Stromboli, Oktober

Das Meer graut unter Wolken
Bräunlich gelbe Schwaden hängen sich
An den Vulkan, der Wind verweht
Die Sommervögel, die Zypressen
Wiegen sich
Hin ­– her – hin – her
Und das Handy verfügt:
Zwei Tage Regen!
Steinern blickt der Friedhof auf’s Meer
Die Gräber mit Fotos geschmückt
Von Fischern zumeist
Doch ihre Kinder vermieten die Häuser an Fremde
Fliehn im Herbst auf das Festland
Schon hat der Laden im Dorf
Das Sortiment dezimiert
Die Bar ist geschlossen
Die Wäsche trocknet nicht mehr
Finster starrt Odysseus auf den Sack
Des Äolos: Zehn Jahre hielten ihn die Winde
Fern von Ithaka – Yes, edler Dulder
So kann es gehen!
Denkst du noch an das Haus
Die Sommerfrau
Die Säulen und die blauen Fensterläden
Die Penne Melanzane und die Involtini
Di Spada – eingebrannt
in Herz und Magen?
Im Regen glühn die Blüten noch mal auf
In sattem Rot
Und der Geruch der faulenden Citronen
Verdoppelt sich
Die Mücken bissiger
Und selbst die Hunde bellen
Als wär’s das letzte Mal
Die Winde drehn auf Abschied
Die Wolken hinterm Meer erinnern
Von ferne an die heimatlichen  Alpen
Zwischen dunklen Steinen
Zerkräuselt weisse Gischt am Strand
Für die Verbindungen zum Festland gilt
Der Winterfahrplan –
Das Knattern des Piaggio-Dreirads
Die Koffer und  im Hafen
Das Tragflügelboot
Die Luft riecht nach Algen.

Andreas Fischer

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