relirium 2/16

In N°05 gab es viele interessante Texte und Kritiken. Es überrascht, welcher davon am meisten Wellen warf. Susanne Richlis Kritik, so hat sich jetzt gezeigt, sollte nicht das letzte Wort zu Adam Schwarz Text gewesen sein.

  • Zuerst kritisiert Melanie Koller den Feminismus im Text — «Dem Statement ‹Feministinnen schreien doch immer grundlos Sexismus, damit sie was zu jammern haben› auch noch Munition zu liefern, ist dermassen kontraproduktiv, dass mich diese Kritik erschüttert.»
  • Später tritt Gregor Schenker in «Wie ich mich aufmachte, gute Literatur zu suchen» nach. Er bemängelt gleich zwei grosse Dinge: Erstens, dass Richlis Kritik keine Bereitschaft zeigt, sich auf den Text einzulassen, den sie kritisiert. Und zweitens, dass es einfach «stinklangweilig» zu lesen sei. «Bevor Richli eine Gegenkritik fordern könnte, müsste sie erst einmal eine Kritik schreiben, die den Namen auch verdient.»
  • Als eine Art Antwort erschien «Acht Häufchen», wie «Zwei Häufchen» im N°04 von den drei Redaktionsmitgliedern Laura Basso, Samuel Prenner und Cédric Weidmann verfasst. Sie zeigen ein Narrativ auf, das die vielen Texte, die sich um die immer gleichen Texte gebildet haben, ein wenig zusammenhält: Die Sache ist ziemlich unübersichtlich geworden. Sie schliessen mit einer Kritik an den zum Teil immer aggressiver gewordenen Kritiken: «Viel zu oft haben all diese Kritiken die Texte als das gelesen, was sie sind: Kurze Fetzen von epigonaler Sprache, zur Selbstprofilierung abgedruckt in einem Magazin, das noch in den Kinderschuhen steckt. Und nicht als das, was sie sein wollen: Eigene Welten mit eigener Logik, systematisch unterschätzt.»
  • Zu allen Blog-Texten hat Albrecht Füller in der Kommentarleiste einiges beigetragen. Am lautesten ist der Vorwurf, dass die delirium-Redaktion immer noch keine Position beziehe in der Auswahl ihrer Kritiken und sich stattdessen hinter einem postmodernen «anything goes» verstecke.

Noch mehr Zündstoff

Wenn man Personen am Rand des Existenzminimums live dabei zuschauen will, wie sie mit ihrer Arbeitskraft Menschen in Not unterstützen, kann man das jetzt in der Schweiz machen. Mit der von Gianna Molinari und Julia Weber gegründeten Veranstaltungsreihe Literatur für das, was passiert, bei der Zuschauer Texte bei Autoren und Autorinnen in Auftrag geben können. Das Geld wird gespendet.

George R.R. Martin verpasst Abgabetermin und schreibt seine Geschichte nun der Fernseh-Serie «Game of Thrones» hinterher (mit dem schönen Satz «Er feile sehr lange an seinen Worten und häufig käme es auch vor, dass er ganze Textabschnitte umstellt») und unter morgen-mehr.de kann man nun folgerichtig ein Buch kaufen, das noch nicht geschrieben ist, und dem man bei der Entstehung zuschauen kann. Tilman Rammstedt schreibt es.

Wikipedia feiert heute seinen 15. Geburtstag. Nur wer nach «Acht Häufchen» das Gefühl hat, wir seien die einzigen, die alles wie verrückt verknüpfen… Das hat delirium nicht erfunden.

Und die Begeisterung von Roger Köppel für eine 40 Jahre alte Biografie von Hermann Göring («Göring war weder Monster noch Teufel»)? Na ja, vielleicht ist das eine Klassiker-Diskussion, zu der wir nichts zu sagen haben. Da kann man sich auch für sowas wie Bowies 100 Lieblingsbücher oder gar für den Literaturkritiker Barack Obama interessieren. Spannend vielleicht dort, wo er nach dem biblischen Schluss-Statement («Bescheidenheit bleibt das ewige Gebot der Stunde») selber den Bogen zur Durchsetzungsinitiative schlägt.

 

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