relirium 4/16

Was bisher geschah:

 

In den USA wird (wieder einmal) das Ende der Postmoderne ausgerufen. Die Texte von Autor*innen wie Marie Calloway, Tao Lin und Mira Gonzales versuchen eine Abkehr vom ironischen Erzählen und eine Bewegung, die New Sincerity, Neue Aufrichtigkeit genannt wird.

 

Andreas Kilcher schildert in einem Artikel in der NZZ den Streit zwischen dem Basler Anne-Frank-Fonds und der Amsterdamer Anne-Frank-Stichting um die Rechte am Tagebuch der Anne Frank. Während letztere den Text online für alle zugänglich machen will, geht es ersterer „um die verantwortungsvolle Bereitstellung eines historisch und philologisch gesicherten Textes“. Diese Rekontextualisierung solle der Dekontextualisierung entgegenwirken, die aus dem jüdischen Mädchen eine popkulturelle Ikone gemacht habe.

 

Wissenschaftler*innen der Universitäten von Durham und Lissabon haben Methoden aus der Biologie auf Märchen angewandt und festgestellt, dass viele deutlich älter sind, als bisher angenommen wurde. Einige lassen sich sogar vor die Zeit erster schriftlicher Aufzeichnungen zurückdatieren, nämlich bis in die Bronzezeit.

 

Der kalifornische Comedian Elijah Daniel versprach seinen Twitter-Followern einen Sex-Roman über Donald Trump im Stil von 50 shades of grey.

Nach nur vier Stunden Schreibarbeit ist „Trump Temptation: The Billionaire & The Bellboy“ jetzt bei Amazon erhältlich. Wir finden: Mehr davon!

 

Und zu guter Letzt: Der deutsche Blogger und Journalist Sascha Lobo verzweifelt in seiner Kolumne auf Spiegel Online an der Dummheit der Menschen, die sich in Sozialen Netzwerken tummeln. Einziger Lichtblick: Gemäss einer Studie der OECD sind Social-Media-Nutzer in allen Ländern gebildeter als der Bevölkerungsdurchschnitt – ausser in Deutschland.

 

Ein Kommentar

  1. Ob Sascha Lobos Feststellung, die Social-Media-NutzerInnen seien dumm, nun für Deutschland statistisch belegbar ist oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Vielmehr zeigt sich in seiner Aussage der widerliche Zeitgeist, der mit dem Finger auf die Dummheit anderer zeigt, um sich die eigene Dummheit und Anspruchslosigkeit nicht eingestehen zu müssen. Lobo ist, mit Verlaub, wohl doch nur einer mehr dieser Selbstdarsteller-Affen des 21. Jahrhunderts. Seinen Blog nicht zu betreiben, hätte Mut von ihm gefordert. Seinen Hahnenkamm durch die Gegend zu tragen eher weniger…

    Jemand meinte einmal, vor allem auf das Netz bezogen, wir bräuchten eine starke community mit starken Massstäben. Sich hin und wieder auf diese Forderung zu besinnen, wäre hilfreich. Viva delirium – es liegt noch viel Arbeit vor dir. Ich bin gespannt auf die neue Ausgabe.

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