relirium 5/16

In unserer exklusiven Wochenrückschau bringt euch delirium alles, was die literarische Welt bewegt: Böse Bücher und Lyrik für Flüchtlinge, eine Farce namens «Dada – Tod in Zürich», einen Schimpf-Literaten und – aus dem Vorhof der Literatur: – Spam-Mails.

In der NZZ am Sonntag kommentiert Claudia Mäder die kritische Edition von Hitlers Mein Kampf mit der weisen (wenngleich nicht brandneuen) Einsicht: «Denn indem man sie verdrängt, schafft man weder Bücher noch Ideen aus der Welt.» Die Herausgeberschaft dieser «Edition mit Standpunkt» hat sich die Kritik auf die Fahnen geschrieben und dadurch ein von delirium noch nicht erklommenes Kritik-Niveau erreicht: sie bietet «eine veritable Sezierung von Hitlers Selbst- und Weltbild». Diese detaillierte Sezierung führt dann allerdings zur ebenfalls nicht ganz neuen Erkenntnis, «wie widersinnig die nationalsozialistische Ideologie schon in ihrer Grundanlage ist». Sei’s drum, jetzt hat man wenigstens ein wissenschaftliches Beweisstück. Zu hoffen ist, dass der hier bewiesene kritische Eifer nun auch auf weniger tote Nazis gerichtet wird. Einen Schritt aus der akademischen Komfortzone haben jedenfalls einige Angehörige der ETH und UZH mit der neuen Plattform Geschichte der Gegenwart gewagt – wir sind gespannt auf die Beiträge!

Unter dem schönen Titel Vergesst Goethe, lest Rückert schrieb Christoph Meyer in der Süddeutschen eine Lobeshymne auf Friedrich Rückert. Dass er Goethe als «eitlen Literaten» bezeichnet, hat die Autorin dieser Zeilen mit hämischer Genugtuung gelesen. Ob Rückert, wie im Artikel behauptet, tatsächlich der Gewährsmann für Flüchtlings- und Integrationsfragen ist, sollen Kundigere beurteilen; vielleicht wäre das was für Literatur für das, was passiert?

Das dada-Jahr wurde mit so viel Lärm und Pomp eingeleitet, dass sich in der delirium-Redaktion bereits frühzeitig ein dada-Kater ausgebreitet hat. Wir werden uns deshalb nicht dem allgemeinen Jubel anschliessen. Einen einiermassen interessanten Beitrag hat SRF Kontext mit Dada als Protestbewegung geliefert – die Billag-Gebühren sind also nicht völlig für glanz & gloria draufgegangen. Wer dagegen sehen will, dass dada weder scheintot noch untot, sondern mausetot ist, der lese das Editorial von Silvia Binggeli in der Annabelle. Aber wir wollen ja nicht gemein sein. Wie Frau Bingelli selber sagt, «Mut zur Peinlichkeit macht Persönlichkeiten aus».

Dass nur wirklich jemand ist, wer schon einmal ordentlich beschimpft wurde, hat Matthias Stolz in der ZEIT messerscharf erkannt und uns eine Deutschlandkarte der Von Thomas Bernhard beschimpften Orte geschenkt. Danke. Delirium wird daran arbeiten, eines Tages einen ähnlichen Schimpf-Status zu erreichen.

Und ein bisschen Spass zum Schluss: In einem dieser wahnsinnig unkonventionellen TED-Talks erklärt uns James Veitch What happens when you reply to spam email. Wir dürfen erwähnen, dass wir unsererseits in abschliessenden Verhandlungen mit der «Ehefrau des ehemaligen libyschen stellvertretender Industrieminister» befinden. Sollte der Deal von über 16 Millionen Euro zu Stande kommen, werden wir sämtliche Schweizer Haushalte mit einem delirium-Gratisabo auf Lebzeiten und einer wunderschönen delirium-Tasche beglücken.

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