Der Dichterwettstreit

Es ist eine alte Geschichte von gegenseitigem Kampf und Befruchtung. Nur allzu oft kommt es vor, dass wenn sich grosse Geister treffen und in Konkurrenz verfallen, es ein Vergnügen ist, dabei zuzusehen. Wer hätte ahnen können, dass, nachdem Goethe und Schiller in ihrem Dichterwettstreit quasi den gesamten Balladenschatz Deutscher Dichtung alleine hoben, dass nach diesem Glücksfall sich in dem kleinen Dörfchen Tarasp, Heimat von Giachen Caviezel und Gian Fermat der Grundstein für einen weiteren solchen epochalen Moment der Literaturgeschichte legen könnte. Das Jahr 1997 schreiben wir, die Bündner Bergwiesen sind die Szene, in der Ferne ein paar Kühe. Die wenigen Tarasper Kinder spielen eifrig Räuber und Gendarme. Jedoch zwei junge Bürschchen verneinen das simulierte Treiben von Staatsgewalt und Delinquenten: Giachen Caviezel und Gian Fermat haben das subtile Glück sich in einem kleinen Dorf, in welchem man durch wohldifferenzierte Verschrobenheiten erst gänzlich zum Individuum wird, beide das gleiche Steckenpferd ausgesucht zu haben. Ihre Welt ist eine Welt der Wörter. Jedoch wie klären diese Kinder die Frage, wer den Titel „Dichterkönig von Tarasp“ mit nach Hause nehmen darf? Natürlich nicht durch stumpfe Prügel, denn beiden ist solch gewaltsamer Einsatz der Hände fremd. Es kommt zum Dichterstreit.

Zwanzig Jahre später kommen die beiden wieder zusammen: Die Konkurrenz warm gehalten durch die Erinnerung an solche Nachmittage, wird schnell wieder entfacht, aber die beiden, gereift in ihrem ästhetischen Urteil, haben jeden Anspruch von Güte transzendiert: Wie schon Baudelaire und manch anderer vor ihnen haben die beiden erkannt, dass der Zwang des Autoren zur Perfektion – und sei er noch so latent – der erste Feind sein muss, gegen den eine aus Konkurrenz erwachsene Literatur schreiben muss. So kommt es hier zum ersten offiziellen delirium-Dichterstreit: Gian Fermat gegen seinen alten Erzfeind Giachen Caviezel. Die Aufgabe: jede Woche zu einem vorgegebenen Thema ein Gedicht schreiben. Es gewinnt, wer am meisten schlechteste Gedichte geschrieben hat. Das Thema diese Woche lautet: Cloudrap.

Nächsten Freitag werden die beiden Gedichte hier publiziert. Möge dieser Glücksfall, dass diese beiden Denker sich hier wieder gefunden haben, dem ewigen Schatz der Deutschen Dichtung ein paar weitere Juwelen hinzufügen.

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